Guide
Gewohnheiten, die Ihrer Uhr schaden können
Entdecken Sie, welche Alltagsgewohnheiten Ihrer Uhr schaden können — und mit welchen einfachen Massnahmen sich unnötige Schäden vermeiden lassen.
Eine hochwertige Uhr ist dafür gemacht, lange zu halten. Mit der richtigen Pflege kann eine gut gefertigte mechanische Uhr ihren Besitzer über Jahrzehnte begleiten und sogar an die nächste Generation weitergegeben werden.
Robustheit bedeutet jedoch nicht Unverwundbarkeit. Manche Dinge, die einer Uhr schaden können, sind offensichtlich: ein harter Stoss, Wasser im Gehäuse oder ein versehentlicher Sturz auf einen Steinboden. Andere Risiken werden viel leichter übersehen. Eine magnetische Handyhülle, eine nicht richtig gesicherte Krone, extreme Hitze oder selbst die Art, wie eine Uhr über längere Zeit aufbewahrt wird, können mit der Zeit Folgen haben.
Die gute Nachricht: Eine Uhr richtig zu pflegen bedeutet nicht, sie wie ein Museumsstück behandeln zu müssen. Die meisten Alltagsrisiken lassen sich vermeiden, wenn man weiss, wofür die eigene Uhr ausgelegt ist. Hier sind einige häufige Gewohnheiten, auf die es sich zu achten lohnt.
Magnetismus: Die unsichtbare Kraft rund um Ihre Uhr
Magnetfelder sind unsichtbar und werden deshalb besonders leicht übersehen. Bei einem traditionellen mechanischen Uhrwerk kann eine starke magnetische Einwirkung jedoch empfindliche Komponenten beeinträchtigen und dazu führen, dass die Uhr vor- oder nachgeht. Und Magnete finden sich nicht nur dort, wo man sie offensichtlich vermutet. Magnetische Handyhüllen, Tablet-Cover, Lautsprecher, Kopfhörer, Handtaschenverschlüsse und andere Alltagsgegenstände können Magnetfelder erzeugen — genau dort, wo Sie Ihre Uhr tragen oder aufbewahren.
Es besteht allerdings kein Grund zur Sorge, sobald Ihre Uhr einmal in die Nähe eines Telefons kommt. Entscheidend ist vor allem eine starke oder länger andauernde Einwirkung, insbesondere bei Uhrwerken ohne speziellen antimagnetischen Schutz.
Gerade in diesem Bereich hat die moderne Uhrmacherei grosse Fortschritte gemacht. Einige zeitgenössische Uhrwerke sind gezielt dafür konstruiert, sehr starken Magnetfeldern standzuhalten. Omega Master Chronometer Uhren werden beispielsweise auf eine Widerstandsfähigkeit gegenüber Magnetfeldern von 15'000 Gauss geprüft. Entscheidend ist also, zu wissen, wofür Ihre Uhr ausgelegt ist — denn Magnetismus bleibt unsichtbar, bis Ihre Uhr plötzlich die falsche Zeit anzeigt.
Wasser & Temperatur: Kennen Sie die Grenzen Ihrer Uhr
Eines der häufigsten Missverständnisse beim Besitz einer Uhr ist die Annahme, dass ein Modell mit einer Wasserdichtigkeit von 100 oder sogar 300 Metern in jeder Situation praktisch wasserdicht sei. Die Tiefenangabe bezieht sich in erster Linie auf den statischen Wasserdruck, dem die Uhr unter kontrollierten Bedingungen im Test standgehalten hat. Sie sollte nicht wörtlich als Garantie gegen jede Art von Wassereinwirkung verstanden werden.
Eine Dusche ist ein gutes Beispiel. Auch wenn sie weit weniger anspruchsvoll erscheinen mag als eine Tiefe von 100 Metern, setzt sie die Uhr ganz anderen Bedingungen aus: direkten Wasserstrahlen, Seife und Reinigungsmitteln, Dampf und wechselnden Temperaturen. Diese Faktoren können Dichtungen beeinträchtigen und es Feuchtigkeit erleichtern, in das Gehäuse einzudringen. Deshalb empfehlen manche Hersteller, selbst mit Uhren mit hoher Wasserdichtigkeit auf das Duschen zu verzichten.
Ein weiteres Detail wird leicht vergessen: Die Wasserdichtigkeit kann sich mit der Zeit verändern. Dichtungen altern auf natürliche Weise; auch ein harter Stoss, Temperaturschwankungen oder frühere Eingriffe können ihre Wirksamkeit beeinflussen. Eine Uhr, die im Neuzustand wasserdicht war, sollte deshalb nach einigen Jahren gegebenenfalls erneut geprüft werden.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Längere Einwirkung starker Hitze oder abrupte Temperaturwechsel können Schmierstoffe, Materialien und Dichtungen beeinträchtigen. Lassen Sie Ihre Uhr nicht über längere Zeit neben einem Heizkörper, in einem heissen Auto oder in intensiver direkter Sonne liegen. Und wenn Ihre Uhr mit ins Meer kommt, spülen Sie sie danach mit Süsswasser ab. Salz und Sand können Gehäusen, Armbändern und beweglichen Teilen überraschend stark zusetzen.
Vor allem sollten Sie die Grenzen Ihrer Uhr nicht auf gut Glück austesten. Prüfen Sie vor dem Schwimmen, Tauchen oder generell vor Kontakt mit Wasser die Angaben des Herstellers und stellen Sie sicher, dass Krone und Drücker ordnungsgemäss gesichert sind. Ein wenig Vorsicht ist deutlich einfacher, als später Feuchtigkeit in einem mechanischen Uhrwerk beheben zu müssen.
Stösse: Wissen, wann Sie Ihre Uhr tragen sollten
Eine Luxusuhr ist zum Tragen gemacht, aber nicht jede Uhr ist für jede Aktivität bestimmt. Eine robuste Sportuhr kann so konstruiert sein, dass sie wiederholte Bewegungen und Stösse verkraftet. Eine fein finissierte Uhr hingegen kann Hunderte winziger Komponenten enthalten, die mit bemerkenswerter Präzision zusammenspielen. Ein plötzlicher Schlag hinterlässt vielleicht nur eine Spur am Gehäuse oder verursacht Schäden tiefer im Inneren.
Betrachten Sie es wie die Wahl des passenden Outfits. Für ein formelles Dinner würden Sie keine Wanderschuhe wählen, und Ihre empfindlichste Dresswatch ist vermutlich auch nicht der ideale Begleiter für eine Mountainbike-Tour. Gleiches gilt für alltägliche Aktivitäten. Training im Fitnessstudio, Kontaktsport, schwere körperliche Arbeit oder Tätigkeiten mit wiederholten Stössen sind Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, eine empfindlichere Uhr sicher abzulegen.
Beim Sport kommt zudem Schweiss ins Spiel. Mit der Zeit kann Schweiss Lederarmbänder und andere Materialien angreifen. Nach intensiver Nutzung lohnt es sich deshalb, die Uhr angemessen zu reinigen.
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihre Uhr bei der kleinsten Aktivität sofort ablegen müssen. Es geht vielmehr darum, zu verstehen, welche Art von Uhr Sie tragen, und für den jeweiligen Anlass die richtige Wahl zu treffen. Manchmal gehört auch zu guter Pflege, zu wissen, wann man eine Uhr nicht tragen sollte.
Datum einstellen: Nicht zum falschen Zeitpunkt verstellen
Das ist einer der häufigsten und zugleich vermeidbarsten Fehler bei einer mechanischen Uhr — und etwas, das jeder Besitzer einer Uhr mit Kalenderfunktion kennen sollte.
Bei vielen mechanischen Uhrwerken beginnt der Datumsmechanismus bereits mehrere Stunden vor Mitternacht einzugreifen und bleibt noch eine gewisse Zeit danach aktiv. Wird während dieses Zeitfensters die Datumsschnellschaltung verwendet, kann sie mit Zahnrädern in Konflikt geraten, die den Kalender bereits weiterschalten, und Schäden verursachen.
Vielleicht kennen Sie Regeln wie «Das Datum niemals zwischen 21 Uhr und 3 Uhr verstellen». Tatsächlich gibt es jedoch kein universell gültiges Zeitfenster. Manche Hersteller nennen 20 bis 2 Uhr, andere 20 bis 3 Uhr, und der Mechanismus kann sich von Kaliber zu Kaliber unterscheiden.
Eine gute Gewohnheit ist es, die Zeiger zunächst auf eine eindeutig sichere Tageszeit zu stellen (also deutlich ausserhalb der Datumswechselphase rund um Mitternacht). Am wichtigsten ist, die Bedienungsanleitung des jeweiligen Uhrwerks zu beachten. Ein paar Sekunden für die richtige Einstellung können eine deutlich aufwendigere Reparatur verhindern.
Aufbewahrung: Nicht einfach vergessen
Es ist völlig unproblematisch, eine mechanische Uhr stehen zu lassen, wenn sie nicht getragen wird. Eine Uhr jedoch über Jahre hinweg einfach zu vergessen, ist etwas anderes.
Auch im Stillstand altern Dichtungen, Schmierstoffe und andere Materialien weiter. Ebenso wichtig sind die Lagerbedingungen, insbesondere Feuchtigkeit, extreme Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und starke Magnetfelder. Lederarmbänder reagieren besonders empfindlich auf Hitze und Feuchtigkeit.
Auch Quarzuhren benötigen Aufmerksamkeit. Eine entladene Batterie sollte nicht über längere Zeit in der Uhr belassen werden, da auslaufende Batteriesubstanzen das Uhrwerk beschädigen können. Wurde eine Uhr mehrere Jahre gelagert, kann es sinnvoll sein, sie überprüfen zu lassen, bevor sie wieder regelmässig getragen wird.
Es geht nicht darum, jede Uhr ständig am Laufen zu halten. Sie sollte nur nicht völlig in Vergessenheit geraten.
Keine Sorge: Eine Uhr ist zum Tragen da
Nach all den Hinweisen zu Magneten, Wasser, Stössen, Temperaturen und empfindlichen mechanischen Komponenten könnte man leicht übervorsichtig werden. Genau darum geht es nicht.
Eine Luxusuhr ist nicht dafür gedacht, ihr Leben versteckt in einer Box zu verbringen. Sie soll getragen und genossen werden und kann mit der richtigen Pflege viele Jahre überdauern. Es gibt unzählige Möglichkeiten, eine Uhr zu beschädigen — doch die meisten Alltagsrisiken lassen sich leicht vermeiden, wenn man weiss, worauf zu achten ist.
Kennen Sie Ihre Uhr. Kennen Sie ihre Grenzen. Und vor allem: Wissen Sie, wann Sie sie tragen können und wann ein wenig zusätzliche Vorsicht angebracht ist. Im Zweifelsfall sollten Sie immer die Empfehlungen des Herstellers für Ihr konkretes Modell beachten oder die Uhr von einer qualifizierten Fachperson überprüfen lassen. Denn eine grossartige Uhr soll heute Freude bereiten und so gut gepflegt werden, dass sie ihre Geschichte auch morgen noch weitererzählen kann.